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Er ist wohl nicht sehr oft zuhause?

September 1, 2017

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Traumurlaub mit der Familie, oder?

September 13, 2017

 

 

 

Heute ist der letzte Tag unseres Kurzurlaubs an der spanischen Küste. Wir haben den sonnigen Morgen mit einem Frühstück in einem kleinen Chiringuito an dem kleinen Sandstrand in der Nähe begrüßt. Mein Partner genießt es sehr, dort jeden Morgen schwimmen zu gehen, ich bin jedoch eher kein Strandmensch. Also beobachte ich das Geschehen am Strand lieber aus ein paar Metern Entfernung, mit Füßen im Sand und einem guten Buch am Tisch der kleinen Strandbar.

 

Die Schulsommerferien sind vorbei, also ist es am Strand ruhiger geworden und die meisten Urlauber waren Senioren oder Paare mit Babys oder Vorschulkindern. Das Wetter war freundlich, also habe ich nicht viel gelesen, sondern habe meinen Blick entspannt über die sonnengeküsste Landschaft, das Wasser und die Menschen am Strand schweifen lassen. Das milde Septemberwetter und der kleine Sandstrand wirkten idyllisch. Jedoch, als ich die Urlauber um mich herum beobachtete, fiel mir immer mehr auf, dass es die meisten Beziehungen der Menschen untereinander leider nicht waren.

 

Da war zum Beispiel das junge Paar mit einer etwa zweijährigen Tochter. Die Kleine ist begeistert herumgerannt und schien sich am Strand wohl zu fühlen, kuschelte sich aber immer wieder anhänglich an ihre Mama. Die beiden Erwachsenen schienen dagegen keine gute Zeit zu haben. Was mir auffiel, ist dass die junge Frau während der ganzen Zeit kein einziges Mal gelächelt hat, weder zu ihrem Mann, noch zu ihrer kleinen Tochter. Die beiden Eltern haben gestern und heute Morgen fast gar nicht miteinander gesprochen und auch kaum Blicke ausgetauscht und gar keinen Körperkontakt gehabt. Die beiden interagierten fast ausschließlich mit Ihrer Tochter, nicht jedoch miteinander, obwohl sie offensichtlich ein Ehepaar waren.

 

Auch als Unbeteiligte spürte ich ganz deutlich, dass dieses Paar vom Gefühl her nicht mehr miteinander verbunden war. Obwohl sich die beiden auf einem Bilderbuch-Strand befanden und eine wunderbare Gelegenheit zum Entspannten hatten, wirkte leider keiner von denen, als hätte er oder sie den Urlaub genossen oder sich emotional erholt. Nur die kleine Tochter schien sich am Strand so richtig zu freuen, obwohl auch sie mit ihren 2 Jahren wahrscheinlich wahrgenommen hat, dass etwas nicht ganz stimmte, dass etwas entscheidend wichtiges in der Kommunikation Ihrer Eltern fehlte. Auch wenn kleine Kinder nicht in der Lage sind, solche Nuancen bewusst wahrzunehmen, nehmen Sie diese dennoch unbewusst wahr und, wenn es häufig passiert, beeinflusst es Ihr Weltbild ganz nachhaltig. Ich kann natürlich nun mutmaßen, aber meine Befürchtung ist, dass wenn Ihre Eltern nicht bald etwas an ihrer Beziehung unternehmen werden, das kleine Mädchen keine besonders glückliche und gesunde Kindheit haben wird.

 

Nun kenne ich die Geschichte des Paares nicht und habe natürlich auch kein Recht, über Außenstehenden zu urteilen; schon gar nicht, wenn ich deren persönliche Situation überhaupt nicht kenne. Was mir ins Auge sprang war ganz einfach der Kontrast zwischen dem milden Wetter, der leichten Meeresbrise, dem ruhigem Wasser und der eisigen Kälte, die zwischen diesen Eheleuten herrschte! Schon aus der Entfernung fühlte sich die Situation belastend an, wie muss es wohl den beiden damit gegangen sein!

 

Ganz sicher haben sie viel Geld für den Flug und Hotel ausgegeben um diesen Familienurlaub zu organisieren, jedoch konnte man deutlich wahrnehmen, dass keiner der beiden die gemeinsame Zeit am Strand genießen konnte. Das Leben in einer distanzierten Partnerschaft wie dieser verursacht unvermeidlich Gefühle von Einsamkeit, Minderwertigkeit, Wut usw., und richtet auf Dauer einen Schaden an der psychischen Gesundheit an. Am liebsten hätte ich den beiden die Visitenkarte meiner Praxis in die Hand gedrückt. So, wie das Paar auf mich wirkte, hatte ich nämlich große Sorge, ob sie von alleine eine emotionale Wiederannährung schaffen würden.

 

Doch hier ist der springende Punkt: leider liegt es nicht in meiner Macht, einem Paar zu helfen, welches ich einfach so im alltäglichen Leben treffe. Ganz am Anfang jeder Paararbeit steht nämlich der Entschluss des Paares selbst, etwas an der eigenen Situation verändern zu wollen und die Bereitschaft, ihre Zeit, Anstrengung und Ressourcen in diesen Prozess zu investieren. Obwohl diese Entscheidung nicht die leichteste ist, ist sie gleichzeitig vielleicht eine der wichtigsten, die Sie treffen können. Genau diese Entscheidung macht manchmal den Unterschied zwischen dem Paar, das kaum positive Gefühle im Urlaub miteinander erlebt und den Paaren und Familien, die das Miteinander genießen und daraus Energie und Unterstützung tanken können. Ganz egal, ob in Spanien an einem schönen Strand, oder ganz simpel im Park oder im Freibad. Ich liebe es, solchen Paaren zuzuschauen, weil deren positive Energie selbst aus der Entfernung spürbar ist und mich mit Freude erfüllt.

 

Ich freue mich jedes Mal, wenn mir ein Paar sein Vertrauen schenkt und zu mir in die Praxis kommt. Ich freue mich über die Chance, die sie damit meinem Handwerk, Ihrer Beziehung und ihrer eigenen Zukunft geben. Jetzt gerade bin ich versucht, diesen Post mit einem gutgemeinten Ratschlag abzuschließen, mit so etwas wie: „Wenn Ihre Beziehung mal in eine Krise gerät, sollten Sie unbedingt eine Therapeutin aufsuchen“. Doch ich halte inne, denn in meiner Erfahrung bringt ein: „Du solltest“ Menschen fast nie dazu, nachhaltige positive Veränderungen in Ihrem Leben zu erreichen. Was ich wirklich möchte, ist dass Sie hören, dass ich einfach DA bin! Da für Menschen, die sich aufmachen, in diesem komplexen und vielseitigen Unterfangen namens Paarbeziehung etwas mehr Klarheit, etwas mehr Freundschaft und eine ganze Menge weniger Schmerz zu kreieren und dabei meine Unterstützung benötigen. Ganz egal, wie komplex es auch sein mag, ich bin da!

 

In diesem Sinne verabschiede ich mich heute vom dem kleinen spanischen Fischerdörfchen an der Süd-Ost-Küste und freue mich schon auf die Rückkehr morgen zu meiner Arbeit. 

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